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Das Werk der Heiligen Engel


Wie entstand das "Werk der Heiligen Engel"?

In seiner letzten Ansprache, kurz vor seinem Tod, rief Papst Pius XII. die Pilger eindringlich auf, "in sich den Sinn für die Welt des Unsichtbaren, die sie umgibt, zu wecken und zu beleben ... und einen gewissen vertrauten Umgang mit den Engeln zu pflegen, die ständig um unser Heil und unsere Heiligung besorgt sind" (G. Huber, Mein Engel wird vor dir herziehen, Stein a. Rh. 1970, S. 27). Ein ähnlicher Gedanke angesichts der Not der Zeit war Anlaß gewesen, daß sich etwa zehn Jahre zuvor eine Gruppe von Priestern und Theologiestudenten verschiedener Nationen in Innsbruck zusammengefunden hatte. Diese wurden nun durch die Mahnung des Heiligen Vaters bestärkt, sich der Hilfe der Engel auf ihrem persönlichen Weg zu GOTT, besonders aber in der Seelsorge, bewußter zu werden und sie in den mannigfaltigen Nöten der Gegenwart um Hilfe zu bitten. In regelmäßig erscheinenden Rundbriefen wurden die Mitglieder tiefer in die Spiritualität eingeführt, die sich am Vorbild der Engel orientierte und zugleich auch eine Vertiefung der katholischen Glaubensgeheimnisse mit sich brachte. Der Innsbrucker Bischof Paul Rusch versah diese Briefe mit seinem "Imprimatur". Aufgrund seiner Wertschätzung dieser religiösen Bewegung wollte er sie kirchenrechtlich festigen und in das kirchliche Leben integrieren; dafür errichtete er am 20. April 1961 die Schutzengelbruderschaft. Im Lauf der Jahre wuchs das Werk der Heiligen Engel, genannt Opus Angelorum - Engelwerk, immer mehr an; nicht so sehr durch Werbung und menschliches Können, sondern, so glauben wir, durch die heiligen Engel selbst: sie lenkten, führten und wiesen die Wege, sie öffneten die Türen zu den Herzen der Gläubigen, der Priester und Bischöfe. Viele interessierten sich dafür und fanden besonders in Exerzitien Stärkung und die gesuchte Hilfe für ihr christliches Leben. Das Engelwerk wurde so zu einer weltweiten Bewegung.

An wen richtet sich das Werk der Heiligen Engel?

Das Werk der heiligen Engel stützt sich ganz auf den Glauben, den die katholische Kirche lehrt. Es richtet sich an alle Gläubigen und lädt sie ein zu einem bewußten und vertieften Leben mit den heiligen Engeln. Freilich, wer nicht an die Existenz und an das Wirken der heiligen Engel glaubt, tut sich schwer. Wer aber seinen Glauben an die kirchliche Engellehre ernst nimmt, wird das Zeugnis über Existenz und Wirken der heiligen Engel überall in der Heiligen Schrift finden, von der Genesis bis zur Apokalypse. Dem Kommen des Herrn gehen immer die heiligen Engel voraus, ob es Seine Ankunft im Fleische (Lk 1,26) oder Seine Wiederkunft in Herrlichkeit ist (Mt 25,31; Lk 9,26; Apk 22,6). Der Apostelgeschichte ist zu entnehmen, daß den ersten Christen der Glaube an die heiligen Engel und die Erfahrung ihres Wirkens eine fraglose Gewißheit war (vgl. z. B. Apg 12,15). Den Heiligen der Kirchengeschichte war die Existenz der kraftgewaltigen reinen Geister ein ganz konkretes, immer wieder erfahrbares Glaubensgut. Zahlreiche Heilige waren mit den Engeln, vor allem mit ihrem Schutzengel, in ganz besonderer Weise verbunden durch außergewöhnliche Verehrung und Liebe, bisweilen sogar durch einen einzigartigen familiären Umgang mit ihnen. Es gilt freilich das Wort des berühmten Dogmatikers und Kardinals Charles Journet: "Die Engel offenbaren sich, aber nur jenen, die sie lieben und anrufen" (G. Huber, a. a. O., S. 158).

Was ist das Wesen und Ziel des Werkes der Heiligen Engel?

Das Ziel des Werkes der Engel, wie jedes GOTT getreuen Engels, ist immer, dem Herrn zu dienen und die Menschen zum Lob Seiner Herrlichkeit zu führen (Eph 1,12). Die Präfation der Messe zu Ehren der heiligen Engel hebt hervor, daß wir in der Herrlichkeit der Engel GOTTES Macht und Größe erkennen dürfen. Der Priester preist im Namen des Volkes GOTTES den VATER: "dir gereicht es zur Verherrlichung und zum Lob, wenn wir sie ehren, die du erschaffen hast. An ihrem Glanz und ihrer Würde erkennen wir, wie groß und über alle Geschöpfe erhaben du selber bist."

Die heiligen Engel sind "dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen" (Hebr 1,14). Darum können und wollen sie uns beistehen, in der Erkenntnis und Liebe zu GOTT zu wachsen. Voraussetzung dafür ist aber, daß sie als mächtige Diener GOTTES besser erkannt und mehr geliebt und in den Nöten dieser Zeit mehr um ihre Hilfe angerufen werden. Die Mitglieder des Werkes bemühen sich daher um die bewußte Zusammenarbeit mit den heiligen Engeln zur Ehre GOTTES, zur Rettung der Menschen und zur Heiligung der ganzen Schöpfung. Diese wesentlich priesterlichen Aufgaben wollte JESUS CHRISTUS sichtbar weiterwirken in Seiner Kirche durch die GOTTgeweihten, die Priester. Darum ist die Sorge für das sakramentale Priestertum der Kirche ein Wesenszug des Werkes der heiligen Engel. Die Sühne für die Priester, vor allem für jene, die ihrer Berufung untreu wurden, gehört zur brennenden Sorge um diesen gefährdeten Stand. Die Förderung christlich-gesunder Familien als besten Nährboden für die Priesterberufung ist Zielsetzung des Werkes. Weitere Wesenszüge des Werkes der heiligen Engel sind: Die Erziehung zur Anbetung GOTTES, die Förderung der eucharistischen Frömmigkeit und der Marienverehrung und die Treue und der Gehorsam zum Stellvertreter CHRISTI.

Am 23. Oktober 1968 sprachen Priester aus vier Nationen, die sich für das Werk der heiligen Engel einsetzten, mit Papst Paul VI. Der Heilige Vater sagte ihnen: "Geliebte Söhne, Euer Werk ist ein großes Werk der Liebe für unsere Brüder im Priestertum mit einem wichtigen Sendungsauftrag in der Heiligen Kirche!" Er äußerte dann die dringende Bitte, sie mögen überall, wohin sie kommen, die Gläubigen auffordern, noch viel mehr für die Priester zu beten.

Diese Ziele sind nicht Sondergut des Opus Angelorum. Typisch jedoch ist die Art der Verwirklichung: Im wachen Hinhorchen auf den Engel ist es für den Menschen leichter, den Willen GOTTES zu erkennen und mit seinem Beistand immer besser die ihm von GOTT gestellte Lebensaufgabe zu erfüllen. Auch werden durch die besondere Verehrung der heiligen Engel und durch das bewußte Sich-Ausrichten auf den heiligen Schutzengel apostolische und kontemplative Berufungen gefördert und gelebt. Unzählige Menschen haben bisher schon von dieser Führung GOTTES mit Freude und Dankbarkeit berichtet.

Wie urteilt die Kirche über das Wirken und die Spiritualität des "Werkes der Hl. Engel"?

Die gesegnete, umfangreiche Exerzitientätigkeit und das priesterliche Apostolat des OA hat die Glaubenskongregation einer langjährigen Prüfung unterzogen. Das Ergebnis der Prüfung wurde dem Prokurator des Engelwerkes am 5. Oktober 1983 in dem Dokument vom 29. September 1983 (Prot. Nr. 1005/69) mitgeteilt. Im Begleitschreiben des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, heißt es u. a.: "In diesem Dokument finden Sie jene Entscheidungen, die dem Opus Angelorum helfen werden, sich im Sinne der kirchlichen Orientierung zu entfalten. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern eine gute Arbeit im Dienste des einzigen Herrn Jesus, in voller Treue den Weisungen des Lehramtes der Heiligen Kirche gegenüber, und ergreife die Gelegenheit, Sie meiner aufrichtigen Hochachtung zu versichern."

Mit dem römischen Dekret vom 6. Juni 1992 wurde eine zweite Prüfung des Werkes abgeschlossen und die Verwendung der Privatoffenbarungen über die heiligen Engel, soweit sie nicht der allgemeinen Tradition der Kirche entsprechen, untersagt. In einer öffentlichen Erklärung stellte die Leitung des Werkes der heiligen Engel zunächst fest, daß das Dekret sich unmittelbar an das Opus Ss. Angelorum als einen von der Kirche anerkannten "Verein von Gläubigen" richtet. "Es kann also keine Rede sein von einem Verbot des Werkes der heiligen Engel als solchem" (Communiqué vom 22. Juni 1992, Punkt 1). Zu den Auflagen wurde dann gesagt:

"2. Das Opus Ss. Angelorum darf und soll die Verehrung der heiligen Engel in der Kirche fördern und verbreiten. Die einschränkenden Verfügungen des Dekretes betreffen Gebrauch und Verbreitung genau umschriebener Teile des werkeigenen Schrifttums, nämlich jener dem Werk eigenen Angelologie (Engellehre), welche nicht aus dem geschriebenen und überlieferten Wort GOTTES abzuleiten, sondern nur aus den Privatoffenbarungen bekannt ist, und damit zusammenhängende Praktiken.

3. Das Werk der Heiligen Engel bekennt sich zum Wort GOTTES, so wie es in der Heiligen Schrift und Überlieferung und vom lebendigen Lehramt der Kirche vorgelegt wird ("Dei Verbum" 10), als Fundament jeder christlichen Spiritualität und besonders des GOTTgeweihten Lebens. Es steht auch in Treue und Gehorsam zum Heiligen Vater und den Verfügungen des Dekretes vom 6. Juni 1992, wie jedes Mitglied beim Eintritt in das Opus Ss. Angelorum versprochen hat.

4. Die Auslegung und Durchführung der einzelnen Bestimmungen des Dekretes wird in Einvernehmen und Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl erfolgen."

Was ist der "Orden vom Heiligen Kreuz",
seine Aufgabe und Beziehung zum OA?

In vielen, vor allem jungen Mitgliedern des Werkes der heiligen Engel erwachte der Wunsch, ihr Leben ganz GOTT zu weihen. Priester, die sich besonders für die Entfaltung des Engelwerkes einsetzten, bemühten sich daher um die Gründung einer männlichen und einer weiblichen religiösen Gemeinschaft. Es entstand zunächst in der Erzdiözese Aparecida/Brasilien für die Männer die "Societas Fratrum a Cruce". Für die Frauen wurde die "Societas Sororum a Cruce" gegründet. Beide verstehen sich als Gemeinschaften, die ein Ordensleben im klassischen Sinn anstreben. Ferner formte sich die Gemeinschaft der "Missionshelferinnen", die sich in einer zeitgemäßen Form dem pastoralen, wie auch dem sozial-caritativen Auftrag der Kirche widmen.

Im weiteren Bemühen, ein von der Kirche anerkanntes Ordensleben zu führen, bekamen die Verantwortlichen den Ratschlag, keine neue Gemeinschaft zu gründen, sondern einen alten Orden zu erneuern, dessen Ordensideale im Einklang stehen mit dem, was das OA zu verwirklichen sucht. So stieß man auf den Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz. Dieser war im Jahre 1131 in Coimbra/Portugal gegründet worden und hatte sich besonders der feierlichen Liturgie und der Verkündigung des heiligen Evangeliums gewidmet. Erster Prior war der heilige Theotonius gewesen, der erste kanonisierte Heilige Portugals. Schon das Ordenssiegel, ein großes Kreuz und zwei anbetende Engel, läßt erkennen, daß dieser alte Orden die besondere Verehrung der heiligen Engel pflegte. Durch 700 Jahre hindurch stand er in reicher Blüte, bis er schließlich 1834 von einer liberalen Regierung gewaltsam unterdrückt wurde. Weitere erstaunliche Übereinstimmungen mit den vom Werk der heiligen Engel erstrebten Idealen führten schließlich zur kirchlichen Restauration dieses Kreuzordens - wie er in Kurzform genannt wird - durch Mitglieder des Werkes der heiligen Engel. Dies geschah durch ein Dekret des Heiligen Stuhles vom 29. Mai 1979.

Der alte Kreuzorden sah in der Führung der Universität von Coimbra durch Jahrhunderte hindurch eine seiner Hauptaufgaben. Bis zu seiner Unterdrückung stellte er ihren Rektor. Bald nach der Restauration kam ein Diözesanbischof aus Brasilien nach Rom und fragte in einer persönlichen Audienz am 4. Juli 1983 Papst Johannes Paul II., ob er Theologen aus dem Werk der heiligen Engel zum Aufbau seines Seminars einsetzen dürfe. Der Heilige Vater gab seine Zustimmung. Der Kreuzorden sah in dieser Einladung einen Auftrag und nahm die alte Tradition des Lehrens wieder auf. Es konnte inzwischen das ordenseigene "Institutum Sapientiae" als Priesterausbildungsstätte in der Diözese dieses Bischofs errichtet werden.

Der Geist der Anbetung, die spirituelle und aszetische Formung der Priesterkandidaten, die Feier der erhabenen Liturgie und ein vertieftes Gebetsleben bilden das Fundament der Ausbildung an diesem Institut. Die bedingungslose Kreuzesnachfolge, die immer innigere Liebe zum Herrn in der Heiligsten Eucharistie und zu Seiner Mutter Maria, der Königin der Engel und Mutter aller Priester, sind Zielsetzung dieser Erziehung. Ein solides wissenschaftliches Studium der Philosophie und Theologie in der Treue zum Lehramt und zur lebendigen Tradition soll unserer katholischen Kirche gut ausgebildete und seeleneifrige Priester schenken, die geprägt sind vom Gehorsam zum Heiligen Vater und zur rechtmäßigen kirchlichen Autorität. Begleitet wird diese Ausbildung vom inständigen Gebet der Gläubigen.

Priesterstudenten verschiedenster Nationalitäten, Angehörige unterschiedlicher Ordensgemeinschaften und Diözesen, besuchen derzeit die neue philosophische und theologische Fakultät. Von 1983 bis 1996 empfingen 60 Seminaristen, die am dortigen Institutum Sapientiae ausgebildet worden waren, die Priesterweihe.

Außer dem besonderen Einsatz für die Ausbildung von Priestern bemüht sich der Orden um die Vertiefung des geistlichen Lebens von Priestern und GOTT-Geweihten und um die Seelsorge. Das kanonikale Leben in Gemeinschaft nach dem Vorbild des Herrn mit Seinen Aposteln ("Vita apostolica") und nach der Regel des heiligen Augustinus soll der gegenseitigen Hilfe und vor allem der feierlichen Gestaltung der Liturgie dienen.

Die Kirche erkennt ausdrücklich den Kreuzorden und das Werk der heiligen Engel als zwei selbständige Einrichtungen an, die sich gegenseitig geistlich bereichern dürfen.

Diese Kurzinformation will nur in groben Zügen das Werk der heiligen Engel darstellen. Eine umfassende Einführung, Betreuung und Weiterführung erfahren Sie durch die Teilnahme an Exerzitienkursen oder Einkehrtagen, die von Priestern des Werkes und des Kreuzordens durchgeführt werden. Auch ein persönliches Gespräch ist nach Absprache möglich.

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